Internationales Barockmusik Festival in Bolivien - Deutsche Übersetzung


Artikel veröffentlicht in der Mai Ausgabe der Zeitschrift GENTE DE AMERICA, Bolivien



XIII. Internationales Festival für amerikanische Renaissance- und Barockmusik in „Misiones de Chiquitos“, Bolivia.




Barockmusik – Die Stimme Gottes



Nach erzwungener Pause wegen Covid, konnte nun dieses Jahr das XIII. Internationale Festival für amerikanische Renaissance- und Barockmusik in Misiones de Chiquitos, Bolivien wieder durchgeführt werden.

Seit Jahren träumte ich davon, an diesem einzigartigen Festival teilnehmen zu können. Nun war es endlich soweit!

Ich ging davon aus, dass dies eine rein musikalische Reise sein würde. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass es weitaus mehr werden würde: Ich befand mich auf einer Pilgerreise. Diese startete in Santa Cruz de la Sierra, Bolivien. Wir fuhren wir durch wunderschöne Natur nach San Xavier. Am ersten Abend besuchten wir in der wunderschönen und kraftvollen Kirche des Örtchens das „Arakaendar & Royal College of Barock Music“, Chor und Orchester aus Bolivien und UK. Begabte Musiker und ein aufs höchste inspirierter Dirigent führten durch die Nacht.

Die Symbiose zwischen Architektur, Musik und der begabten Kreativität der Künstler bildeten eine einzigartige Aura. Dies führte die Zuschauer in eine Sphäre, in welcher Meditation zu einer schon fast bewusstseinserweiterten Wahrnehmung wurde.

Barockmusik -wie auch andere Musikrichtungen- kann einen bewussten Draht zur inneren Göttlichkeit herstellen. In diesem endlosen Raum ergibt sich dem bewussten Zuhörer die Möglichkeit, aus den Tiefen der Seele Inspiration und Nachrichten zu empfangen. Dies ist einer der Gründe, warum ich gerne in Tempeln und Kirchen meditiere; es bieten sich Möglichkeiten, Antworten zu erhalten.


Unser nächster Besuch galt Concepcion. Das kleine Ort inspiriert durch seine Ruhe und Entspanntheit. Die Architektur der Kirche, der schöne Altar und die vielen Skulpturen sind beeindruckend. Ich war fasziniert von deren Vielfalt und Schönheit, fühlte mich in eine vergangene Zeit katapultiert. Das Konzert in der Nacht ergänzte dann die Zeitreise. Mit geschlossenen Augen konnte ich Missionare, ¨ Indianer und Kolonialisten in alten Trachten an mir vorbeiziehen sehen. Die Kirche verlassend und durch die verlassenen Strassen des Ortes spazierend, zog ich die Luft vergangener und gegenwärtiger Zeit ein. Die Konzerte beginnen nicht erst mit dem ersten Ton und enden auch nicht mit dem letzten. Lange nach dem Konzert folgten mir noch die göttlichen Melodien bis ins Bett und inspirierten meine Träume.


Am folgenden Tag fuhren wir Richtung San Javier. Die Strecke zwischen den zwei Städtchen war bezaubernd und liess die Magie des gesamten Anlasses weiterleben. Ohne es bewusst zu suchen, wurde die Reise zu einem ununterbrochenen Konzert. Die inspirierende Kraft des Festivals zeigte sich in den Kirchen, der Musik, in der Begegnung mit Menschen, den Bäumen, Lagunen und offenen Feldern.


Unser Besuch in San Javier dauerte zwei Nächte. Wir verschmolzen sofort mit der Architektur der Bauten, der schönen Kirche und abends mit der Musik. Am ersten Abend spielte ein polnisches Mädchenorchester. Mit Engelsstimmen erleuchteten die Sängerinnen uns Zuhörer. Zeit und Raum lösten sich auf und unmerklich verführten uns die jungen Sängerinnen, Sirenen gleich, in eine magische Welt. In den Tiefen jeder Seele der Anwesenden erbaute sich ein individuelles Gefilde göttlicher Inspiration.


Von San Javier ging es ins nahe gelegene San Miguel. Dort übernachteten wir zwei Nächte im Konvent der Franziskanerinnen. Auch ohne Konzert tauchten wir tief in die mystische Welt der damaligen Missionare und der heutigen Realität ein. Wir besuchten die Kirche und das Atelier der begnadeten Holzschnitzer*innen. Die dort entstehenden Kunstwerke sind so inspirierend und ergreifend wie die Musik in den Kirchen. Wir erlebten die Geburt von Statuen der Heiligen, dem Sohn und der Mutter Gottes, von Engeln. Vor dem Atelier zeigte uns die oesterreichische Nonne Eva Maria die ursprünglichen Säulen der Kirche. Knochen einer vergangenen Zeit gleichend, standen sie am Eingang. Die Überreste bestaunend kam mir der Gedanke, dass es mit der Musik doch ähnlich ist. Mit dem ersten Ton der Komposition wird etwas geboren, mit dem Ausklang stirbt ein Stück.

Es schien so, als ob uns das Göttliche auf unserer Reise zeigen wollte, dass nicht nur Kunstwerke und Musik geboren werden und sterben. Gleich am ersten Abend im Kloster erfuhren wir, dass eine der Nonnen des Konvents gestorben war. Ohne Zeit zu verlieren wurden die Überführung des Leichnams von San Jose nach San Miguel, die Aufbewahrung in der Kapelle und gleichzeitig die Beerdigung für den nächsten Tag organisiert. Obwohl wir nicht damit rechneten, am ersten Abend in San Miguel Musik zu hören, erfüllten in der Nacht die Gesänge und Gebete die Kapelle des Klosters. Die Musiker waren in diesem Fall die Einwohner des Örtchens und die Nonnen des Konvents. Wieder erfüllte sich die Luft mit einer Aura von Gebeten und Musik. Weit abseits des Festivals, für uns jedoch integrierter Bestandteil davon.


Am nächsten Tag nach der Messe und Beerdigung für die verstorbene Schwester, fuhren wir an zum letzten Konzert des Festivals erneut nach San Jose. Das internationale Ximenez Quartett aus Kanada spielte zauberhaft und verzückte Leib und Seele der anwesenden.

Am darauf folgenden Tag stand die Rückreise nach Santa Cruz an. In gewissem Sinne starb an diesem Tag unsere Reise in die Magie des Festivals. Auf der Rückfahrt verdauten wir das Erlebte, eine gewisse Melancholie breitete sich in meiner Brust aus. Die Tage vergingen wie im Fluge. Wir durften sehr viel erleben und lernen. Ich staunte, wie aus einer ganz normalen Reise sofort eine magische und spirituelle Pilgerreise wurde.

Ich weiss noch nicht, ob ich ein weiteres mal das Festival besuchen werde. Wer weiss, wo ich in zwei Jahren sein werde, wer weiss was in zwei Jahren auf unserem Planeten los sein wird, ob wir überhaupt noch reisen können. Auch dies eine wichtige Erfahrung dieser Reise:


Den Moment so bewusst und ganzheitlich wie möglich zu erleben. Wer weiss, in welcher Form und Existenz die Zukunft sich erschafft. Auf den Anfang einer Komposition folgt unweigerlich deren Ende. Der erste Tag einer Reise ist dem letzten näher als man es sich vorstellt und der Tod kann jederzeit rufen. Gott führt uns auf unserem Weg durch seine Räumlichkeiten. Diese befinden sich nicht nur in Kirchen, sondern in jedem bewusst gelebten Moment.

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